John Axelrod






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30 Jun 2007
Das Luzerner Theater verhilft dem Lucerne Festival mit «Idomeneo» zu einem starken Opernakzent: ein Test für das Haus an der Reuss.
Luzerner Theater

Das Luzerner Theater verhilft dem Lucerne Festival mit «Idomeneo» zu einem starken Opernakzent: ein Test für das Haus an der Reuss.

Von Urs Mattenberger Die Pläne für die Salle Modulable sollen dem Luzerner Theater auch zu einem vollwertigen Opernhaus verhelfen. Damit stellt sich die Frage nach der künftigen Rolle des heutigen Theaters an der Reuss neu. Mozarts Antike-Oper «Idomeneo» machte am Sonntag eine aufschlussreiche Probe aufs Exempel. Denn das Werk zeigte exemplarisch die Nachteile und Vorteile des Hauses. Die dürre Akustik Da bestätigte sich zunächst, dass der entscheidende Nachteil für Opernaufführungen, die trockene, ja dürre Akustik, selbst für Mozart-Opern gilt, die sich für dieses Haus noch am ehesten eignen. Das stellt besondere Ansprüche an die Interpretation, wenn man Mozarts Musik zur pointierten Klangrede zuspitzen und ihr dennoch zu klingender Präsenz im Raum verhelfen will. Chefdirigent John Axelrod und das Luzerner Sinfonieorchester meisterten die Gratwanderung eindrücklich - das lebendige Spiel des Orchesters ist der erste Pluspunkt in einer insgesamt herausragenden Produktion. Spürbar wurde aber, wie problematisch die Akustik für die Sänger ist, die hier, wo der Raum die Stimme nicht trägt, fast durchwegs zum Forcieren neigten. Die grosse Ausnahme war der Stargast, die international erfolgreiche Luzernerin Christiane Boesiger: Wie sie in der Rolle der eifer- und rachsüchtigen Elettra Leichtigkeit mit dramatischem Furor verbindet, ist der zweite Pluspunkt. Spannungsvolles Zusammenspiel Allerdings setzen auch andere Sänger starke Akzente, die diesem antiken Stoff anrührende menschliche Züge geben. Jason Kim macht den Idomeneo, der seinen Sohn Idamante opfern muss, mit tenoralem Schmelz zur gänzlich gebrochenen Leidensfigur. Im Liebespaar Idamante und Ilia finden der exaltiert aufbrausende Mezzosopran von Caroline Vitale und die bis in berückende Pianissimosphären gesteigerte Innigkeit von Simone Stock spannungsvoll zusammen. Die Vorteile des Luzerner Theaters führt das raffinierte psychologische Kammerspiel vor, das Regisseur Olivier Tambosi aus diesen Charakteren entwickelt. Wie hier der antike Stoff konzentriert wird auf elementare zwischenmenschliche Sehnsüchte, Ängste und Verdrängungen, zeigt schon der Bühnenwurf von Werner Hutterli. Spektakulärer Theatercoup Der Strand, an den ein Sturm zu Beginn der Oper Idomeneo verschlägt, wird hier zum gefängnisartig abgeschlossenen Symbolraum: Der Sand, der den ganzen Bühnenboden bedeckt, ist menschenleere Wüste, Treibsand, in den die Figuren haltlos versinken, oder Sandkasten für die kindlich-unschuldige Annäherung der beiden Liebenden. blaues Licht verwandelt ihn in sturmbewegtes Meer, aus dessen Tiefen das Unterbewusstsein schlummert. Der erste Auftritt Idomeneos, der sich wie in einer Geburt aus den Wellen emporarbeitet, verhilft der aktionsarmen Oper zu einem spektakulären Theatercoup. Tambosis Figurenregie spinnt in diesem eng abgesteckten Geviert die Beziehungen zwischen den Figuren immer wieder neu und findet über die lauernden Konflikte und Rivalitäten hinweg auch zu utopischen Momenten. Zusammen mit den symbolstarken Kostümen (Ingrid Erb) und Requisiten - Elettras Axt oder ein endlos langes Band, das die Figuren gleichermassen fesselt, stranguliert und verbindet - ergibt das einen unglaublich dichten und intensiven Theaterabend. Fazit: Aus akustischen Gründen ist ein neues Opernhaus für das Luzerner Theater wie das Festival dringend erwünscht. Aber man wünscht sich doch, dass man dort dereinst den Sand auf der Bühne knirschen hört wie hier im kleinen Haus an der Reuss.

Hinweis Spieldaten: 13., 19., 21. und 29. September, 4., und 19. Oktober, 11., 14., 18. und 23. November, 26. Dezember.


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