John Axelrod






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16 Apr 2009
"Er entdeckte Smashing Pumpkins und liebt Wagner"
Berliner Morgenpost

Die erste Oper in seinem Leben hieß "Tristan und Isolde". Danach hat er eine Woche nur geheult. Da war John fünfzehn. Ein Jahr später sagte Leonard Bernstein über ihn: der Junge muss Dirigent werden, denn er liebt die Menschen. Und Lenny fügte hinzu: er kann werden wie ich. Das war zuviel für John Axelrod. Beziehungsweise zu früh. Er studierte in Harvard, aber ein anständiges Orchester gab es dort nicht, und Jazz wurde im Fachbereich für 'afroamerikanische Forschungen' abgehandelt. John definierte sich lieber als Rock-'n'-Roller. Später arbeitete er als Director Artists & Repertoire beim Plattenlabel BMG, wo er die Band Smashing Pumpkins entdeckte. Es war keine verlorene Zeit. "Ich lernte, was ein Konzert erfolgreich macht für junge Leute", berichtet Axelrod. Auch die Zeit als Direktor eines großen Wein-Centers in Kalifornien gehörte nicht zu seinen schlechtesten. Er ertrug diese Rolle geduldig, und wenn er litt, so im Stile echter Bohemiens, köstlich nämlich und mit viel Bordeaux. Heute ist John Axelrod einer der überzeugendsten Kommunikatoren im Klassik-Sektor. Musik sei nicht für den Elfenbeinturm geschaffen, sondern für Menschen, sagt er, die Zeit der genial-einsamen Titanen mit dem Taktstock sei unwiderruflich vorbei. Und dann fallen natürlich die Namen der großen Grenzüberschreiter: Simon Rattles Educations-Projekt, Daniel Barenboim mit seinem Divan-Orchester, Gustavo Dudamel mit El Systema, Valery Gergiev und das World Orchestra for Peace - Musik hat eine humanistische Botschaft, einen sozialen Sinn. Und sie kennt zweifellos metaphysische Momente. Einen solchen erlebte Axelrod 1994. Über Nacht. Er kam von einer anregenden Diskussion mit Freunden, fuhr durchs Napa Valley. Die Gespräche über Musik und Dirigieren kreisten noch durch sein Gehirn wie die Sterne auf dem berühmten Nachbild Van Goghs, und über ihm funkelten die Sterne Kaliforniens. Absolute Stille, absolute Einsamkeit - und im Autoradio das Tristan-Vorspiel. In diesem Moment war es um Axelrod geschehen, vorbei die Zeit, wo er wie Parsifal durch die Welt geirrt war. Er machte eine Ochsentour durch alle möglichen und unmöglichen Orchester Osteuropas. Christoph Eschenbach nahm ihn unter seine Fittiche. Gesegnet mit einer fabelhaften Schlagtechnik, war Axelrod schon bald erster Assistent in Bayreuth, dann Musikdirektor in Luzern, einen Steinwurf entfernt vom Wagner-Haus in Tribschen. Natürlich weiß er, dass Wagner ein widerlicher Mensch gewesen ist, aber ihn interessiert nur dessen Musik. Annette Gerlach, bekannt als Moderatorin bei arte, glaubt allmählich, dass ihr Gatte John eine Wiedergeburt Wagners sei - und dass er deswegen eine Deutsche geheiratet habe. "Es geht in der Tat um Versöhnung", bestätigt der Spross reicher, liberaler Reformjuden aus Houston. "Ich lebe diese Botschaft" - er zeigt ein Foto seiner Tochter, blond und blauäugig wie schon die Großmutter, die einst aus Lodz nach Amerika ging. Leonard Bernsteins 3. Symphonie mit dem Titel "Kaddish" scheint wie geschaffen für Axelrod, mit ihr erzwingt der fanatische Bekenntnismusiker derzeit weltweit Aufmerksamkeit. Ist Axelrod ein Apostel des New Age, ein spiritueller Wellenreiter? Er ist zumindest sehr amerikanisch, stößt mit seiner Energie und seinem Optimismus zuweilen auch an europäische Grenzen. Dennoch hält er am alten Kontinent fest; er besitzt eine Adresse in Zehlendorf, dirigiert regelmäßig die Sinfonietta Cracovia und wird demnächst Musikdirektor in Nantes. In Frankreich kann er sehr viele Menschen erreichen, das Orchestre des Pays de la Loire hat 11 000 Abonnenten. Und außerdem wachsen dort nicht die schlechtesten Tropfen...


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