John Axelrod






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20 Jul 2012
Luzern ist ein Sprungbrett zum klassischen Olymp
Neue Luzerner Zeitung Kultur

 

© Neue Luzerner Zeitung; 20.07.2012; Seite 9lzhp

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Neue Luzerner Zeitung Kultur

Luzern ist ein Sprungbrett zum klassischen Olymp

Klassik Viele grosse Musiker kommen nach Luzern. Doch es geht auch umgekehrt: Aktuelle Aufnahmen von drei Dirigenten beweisen es.

Regula Mühlemann, die Papagena in «Das Labyrinth», dem zweiten Teil der «Zauberflöte» der kommenden Salzburger Festspiele, ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie immer wieder regionale Sänger und Musiker den Anschluss an das internationale Musikleben finden. Ramon Vargas und Alfred Muff sind ihre direkten Vorgänger.

Was hingegen erst in den letzten Jahren zu beobachten war: Auch für Dirigenten ist Luzern zu einem Sprungbrett geworden. Den Anfang machte Marcello Viotti, nachdem er den Grundstein für den Aufstieg des Luzerner Sinfonieorchesters in die Top-Liga geschafft hatte. Ein Schlaganfall des Fünfzigjährigen setzte seiner internationalen Tätigkeit, die ihn zuletzt nach Salzburg geführt hätte, leider ein jähes Ende.

Notts grosser Sprung

Den grössten Sprung aber tat Jonathan Nott, nachdem er das Luzerner Sinfonieorchester in der schwierigen Ära des KKL-Neubaus in den neuen Konzertsaal Jean Nouvels hinübergeführt und als Orchestra-in-residence etabliert hatte (2004 bis 2009). Obwohl oder vielleicht gerade weil er kein Karrieremacher und kein Shooting-Star war, setzte sich Nott rasch in der vordersten Front der neuen Dirigentengeneration fest, der die Beschäftigung mit der neuzeitlichen Musik etwas Selbstverständliches ist.

Mit den Bamberger Symphonikern, die er seit 2002 leitet, pflegt Nott aber auch in starkem Masse die Tradition, die er neu beleuchtet und in Langzeit-projekten dokumentiert: so zuerst mit einem Schubert-Zyklus und seit 2003 für das Schweizer Label Tudor mit einem Mahler-Zyklus, der inzwischen bei der siebten Sinfonie angelangt ist. Für ihn hat Mahler einer ganz neuen Klangsprache den Weg geebnet und ist damit ein Vorläufer Schostakowitschs und Ligetis (von dem Nott mit den Berliner Philharmonikern sämtliche Orchesterwerke eingespielt hat).

Den Beweis aufs Exempel für seine modern ausgerichtete Mahler-Auffassung liefert Nott besonders eindrücklich mit seiner Aufnahme der seit jeher etwas umstrittenen Siebten mit dem düsteren Kopfsatz und den zwei Nachmusiken. Ihre vielschichtige Klangcollage legt er mit messerscharfer Präzision und gestochener Klarheit frei, und beim ungewohnt affirmativen Finale lässt er spüren, dass es gewaltsam herbeigeführt ist.

John Axelrod auf Notts Spuren

John Axelrod leitete fünf Jahre lang bis 2009 das Luzerner Sinfonieorchester. Nach einer gewissen Auszeit orientierte sich der Texaner neu und verlegte den Schwerpunkt nach Italien und Frankreich, wo er 2011 zum Chefdirigenten des Orchestre National des Pays de la Loire gewählt wurde (ausserdem ist er Principal Conductor des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi).

Dokumentiert wird seine Arbeit mit diesen Orchestern durch verschiedene Aufnahmen für renommierte Labels, darunter eine Ondine-CD mit Berlioz’ «Les Nuits d’été» und Ravels «Shéhérazade» mit der von der Alten Musik herkommenden Véronique Gens: Vornehm zurückhaltend begleitet er die offenbar keine Fachgrenzen kennende Sängerin, die leicht wie ein Vogel durch diese visionären Gesänge schwebt und dabei niemals kühl lässt.

Andris Nelsons’ Höhenflug

Gastdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters, Debüt am Lucerne Festival, Artiste Etoile am nächsten Lucerne Festival Sommer – so lässt sich die Luzerner Anwesenheit des lettischen Dirigenten Andris Nelsons zusammenfassen. Ein weiterer Höhepunkt seiner noch jungen Laufbahn war vor zwei Jahren die Verpflichtung an die Bayreuther Festspiele. Dass der Regisseur Hans Neuenfels Richard Wagners «Lohengrin» in einem Versuchslaboratorium mit Ratten ansiedelte, irritierte zumindest im ersten Jahr noch, aber musikalisch wurde die Aufführung durchwegs gerühmt.

Schwungvoll und durchsichtig

Der Lette fügte sich bei der Wiederaufnahme im vergangenen Sommer, als die DVD entstand, noch besser in die besonderen akustischen Voraussetzungen des Festspielhauses (mit dem gedeckten Orchestergraben) und in den lyrisch-hochdramatischen Stil der Partitur ein, dirigierte einen schwungvollen, durchsichtigen, aber auch fein ausziselierten «Lohengrin», dem auch das Sängerensemble mit eher schlank geführten Stimmen entsprach.

Klaus Florian Vogt und Annette Dasch bilden zudem – bei einer DVD besonders wichtig – optisch ein ideales Liebespaar und glänzen auch darstellerisch. Das ist mit ein Verdienst der Regie, die den Konflikt zwischen Elsa und dem Schwanenritter derart vermenschlicht, dass auch Wagner-Muffel daran ihre Freude haben müssten.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

HINWEIS

→ Berlioz/Ravel: Les Nuits d’été/Shéhérazade (1 CD, Ondine). Mit John Axelrod. Wagner: Lohengrin (Opus Arte, 2 DVDs). Mit Andris Nelsons. Mahler: Sinfonie Nr. 7 (Tudor, Hybrid-SACD, 1 CD). Mit Jonathan Nott.

Vornehme Zurückhaltung: John Axelrod.

Archiv Neue LZ


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