John Axelrod






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20 Feb 2010
Muskalische Gipfelstürmer
Die Welt

Das NDR Sinfonieorchester unter John Axelrod erklomm Strauss und staunte bei Mozart über Pianistenlegende Richard Goode

Eine Bergtour kann anstrengend sein. Doch ist man erst einmal am Gipfel angekommen, sind die Mühen schnell vergessen: Den Berg unter den Füßen, blickt man herab und triumphiert, dass man dessen starre Kraft bezwingen konnte.

Bei der "Alpensinfonie" von Richard Strauss, die just eine solche Gipfelbesteigung illustriert, haben die Musiker des NDR Sinfonieorchesters am Donnerstag wohl noch mehr schwitzen müssen als ein erschöpfter Wanderer in freier Natur. Gewaltige Klangmassen bewegt der große Tonmaler, und jeder einzelne Musiker im Mammutorchester war gefordert, sich vor den über 100 Kollegen auf der erweiterten Bühne der Laeiszhalle zu behaupten. Gegen dieses sinfonische Schlachtross voll lärmender Ausbrüche wirkte das erste Stück des fünften Abonnementkonzerts, Mozarts Klavierkonzert Nummer 17 in G-Dur, wie der kleine David gegen den Riesen Goliath.

Für den aufgrund von Krankheit ausgefallenen amerikanischen Dirigenten und amtierenden Chef des Tonhalle-Orchesters Zürich, David Zinman, war kurzfristig sein junger Landsmann John Axelrod eingesprungen. Erst im Dezember des vergangenen Jahres hatte dieser das NDR Sinfonieorchester zum ersten Mal dirigiert und die Musiker auf Anhieb begeistert.

Mit einem permanenten Lächeln auf den Lippen animierte er nun das Orchester während des Mozart-Konzerts schon in der Exposition des Allegro zu außergewöhnlicher Frische. Und als dann der erste Ton der amerikanischen Pianistenlegende Richard Goode erklang, war das Orchester wie elektrisiert und schien fast von selbst mit der wundervollen Schlichtheit von Goodes Spiel zu verschmelzen. Immer wieder wandte sich Axelrod um und beugte sein Gesicht zur Tastatur hinunter, als wollte er auch noch mit den Augen verfolgen, was Goode als nächstes zu tun gedachte. Dieser legte es weniger auf plakative Virtuosität an als auf die hochmusikalische Durchdringung jedes kleinsten Details. Verspielt und eher wie einen Divertimento-Satz nahm er die Variationen des Allegrettos im Finalsatz. Hier allerdings trübten leichte Intonationsschwankungen im Zusammenspiel von Flöte, Oboe und der tiefen Lage im Klavier vorübergehend den Eindruck.

Für John Axelrod musste der Wechsel zum großen Strauss-Orchester im zweiten Teil wie das Umsteigen von einem Kleinwagen auf einen tonnenschweren Sattelschlepper gewesen sein. Voller Fantasie und gleichzeitig mit kontrollierter Kraft blätterte er im programmatischen Orchesterbilderbuch der "Alpensinfonie".

Im Gegensatz zum ersten Anstieg eines Wanderers am Fuße eines Berges, beginnt das Werk mit abwärts gerichteten, düsteren Figuren der Streicher und Fagotte. Später spritzt und sprudelt es nur so in den Holzbläsern, wenn der Wanderer einen Wasserfall passiert, und es bimmeln die Glocken der Almkühe. Blendend klangen das Cello-Solo von Christopher Franzius sowie Paulus van der Merwes Oboe. Eindrucksvoll markierte Merwe den verlorenen Wanderer inmitten der Wetter- und Naturgewalten. Unausgewogen agierten höchstens die Trompeten und Hörner, die zuweilen einen Einsatz verpatzten. Als sich die Orgel am Ende mit pseudosakralen Klängen ins Geschehen mischte, war die Verklärung vollkommen, und der Wanderer verschwand in das Dunkel der Nacht, aus dem er gekommen war.


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