John Axelrod






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21 Aug 2009
Perfekte Nachtschwärmer MIT JOHN AXELROD


KONZERT Oldenburgisches Staatsorchester eröffnet 23. Niedersächsische Musiktage

MIT JOHN AXELROD STAND EIN LEONARD-BERNSTEIN-SCHÜLER AM PULT. AMERIKANISCHE WERKE BESTRITTEN DAS PROGRAMM.

OLDENBURG - "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, die Nacht ist da, dass was geschieht". Das Gründgens-Filmzitat ziert das lesenswerte Info-Journal der 23. Niedersächsischen Musiktage zum Thema "Nacht". Da staunt man, wie sich Musik dieses Themas und seiner "Variationen" bemächtigt.

Dem Oldenburgischen Staatsorchester war es vorbehalten, die "Musiktage" 2009 - eingestimmt von einer Ansprache des Präsidenten der veranstaltenden Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Thomas Mang - vor viel Prominenz im Großen Haus des Staatstheaters zu eröffnen.

Man hörte ein Staatsorchester in Hochform. Man hörte ein rein amerikanisches Programm, das so kontrastreich und attraktiv war, dass es sich nicht nur streng an das vorgegebene "Thema" hielt. Und man hörte einen Gastdirigenten, den Amerikaner John Axelrod, der viel von seinem Lehrer und Mentor Leonard Bernstein "verriet".

Axelrod, auch dem Jazz zugetan, dirigierte Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" kompetent und mit Sinn für komplexe Strukturen und farbigen Klang. Im 1. Satz aus Michael Daughertys Metropolis Symphony, dem hochexzessiven, aggressiv-schrillen und Trillerpfeifen-gespickten Reflex auf die Pop-Musik, war Lev Gelbard der hinreißende, atemverschlagende Violinvirtuose, mit dessen exorbitanter Leistung ein solches Stück steht und fällt.

Nach der Pause wurde es stiller und leiser. In Charles Ives' impressionistisch getöntem Sommernachtsbild "Central Park in the Dark" brachten Dirigent und Orchester viel Transparenz, sanfte Bewegung und porträtierende Klanggestalt (einschließlich ferner Großstadtgeräusche) ein. In "The Unanswered Question", dem bedeutungsträchtigsten Stück des Amerikaners, war jene kunstvolle Schichtung der Instrumentengruppen (Streicher und Flöten) plastisch entfaltet, über der das Trompetensignal - hier aus dem Off - mehrfach die unbeantwortete ewige "Seinsfrage" stellt.

Bernsteins "Halil" (hebräisch für Flöte), Nocturne für Solo-Flöte und Ensemble, gab sich danach als wunderbar artifizielles, motivisch durchgestaltetes Psychogramm, das den Solopart mit dem Ensemble einschließlich Schlagwerk in polyphonen, ständig wechselnden Dialog treten lässt. Exzellente Solistin mit biegsamem Ton: Stephanie Lixfeld (Flöte).

Deftiger, im konzertanten Anspruch freilich nicht weniger kunstvoll: Bernsteins im Auftrag von Woody Herman geschriebenes "Prelude, Fugue and Riffs" für Soloklarinette und Jazzensemble, das sich zur echten Jamsession steigerte. Yumi Schmuck war die präzise, leuchtkräftige Klarinettistin in diesem vorwiegend vom Saxofonklang bestimmten Stück, das Axelrod elegant und befeuernd leitete.

Zu Thelonious Monks stimmungsvoller "Round Midnight", mit Eberhard Michaely (Saxofon), Rupert Stamm (Vibrafon) und Gerold Donker (Kontrabass), haben Sebastian Ukena und Veronika Hoberg eine bühnenbildnerisch-szenisch perfekte Nachstellung von Edward Hoppers berühmtem Bild "Nighthawks" hinzukomponiert. Da gewann der Programmtitel "Nachtschwärmer" zusätzlich Atmosphäre, Bedeutung und tieferen Sinn.


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