John Axelrod






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26 Feb 2005
Vienna Profile (" "Die weiten, offenen Landschaften""
Die Presse

"Ich bin aufgeregt": John Axelrod, amerikanischer Dirigent, stellt sich am Sonntag in Wien vor. B egabt, kreativ, unkonventionell. John Axelrod geht gern ungewöhn liche Wege. Der gebürtige Texaner hat in Harvard studiert, hat bei Leonard Bernstein komponieren, bei Christoph Eschenbach dirigieren gelernt. Er liebt Musik jeder Stilrichtung. "Die Musik zeitgenössischer Komponisten ist die lebendige, aufregende Erfahrung klassischer Musik von heute", sagt er mit Nachdruck: "Sie definiert unseren Platz in der Zukunft. Klassische Musik ist kein Museumsstück. Tradition ist wunderbar, muss aber lebendig bleiben."

Für Pessimisten, die nicht müde werden, die klassische Musik für tot zu erklären, hat Axelrod nur ein Kopfschütteln übrig. "Karajan und Callas sind tot. Diese Zeit ist vorbei, das stimmt. Aber es ist eine fantastische Aufgabe zu entdecken, was die Klassik heute ausmacht, und neues Publikum dafür zu interessieren. Das ist lohnender, als nur zu versuchen, die Vergangenheit zu beleben." In diesem Sinn hat Axelrod 1996 in Houston das "OrchestraX" gegründet. Das Non-Profit-Orchester spielt das klassische Standardrepertoire "and beyond", lockt junges Publikum in unkonventionelle Konzerte.

Axelrods sprühende Begeisterung kommt in jeder Tätigkeit, der er sich widmet, zum Vorschein. Auch als Restaurant- und Weinkritiker. "Schreiben ist eine ganz eigene Erfahrung, fast eine Katharsis", erklärt er. Das Angebot eines Magazins, in führender Position einzusteigen und die Musik an den Nagel zu hängen, hat er aus ganz bodenständigen Gründen abgelehnt, gesteht er: "Ich habe in einem Jahr zehn Kilo zugenommen. Da hab ich mir gedacht: Besser weniger konsumieren und mehr dirigieren."

Seit Herbst 2004 ist Axelrod Chefdirigent und musikalischer Direktor am Luzerner Theater. Den Draht zum Orchester hat er rasch gefunden. Bei aller Erfahrung bleibt das Debüt in Wien aber immer noch ein besonderes Ereignis. "Ich bin aufgeregt und freu mich drauf", sagt er offen, weiß die Kunst der Untertreibung charmant einzusetzen und fügt zwinkernd hinzu: "Ich muss lediglich darauf achten, dass Thomas Hampson gut zur Geltung kommt."

Das typisch Amerikanische ist für Axelrod präzis definierbar: "Die Betonung des Rhythmischen ist ganz wesentlich. Amerikanische Musik ist ein Cocktail aus lateinamerikanischen, afrikanischen, orientalischen und europäischen Einflüssen. Das übergreifende musikalische Thema aller dieser Einflüsse ist Freiheit. Der Begriff ist heute zwar politisch überstrapaziert, aber er bleibt eine historische Tatsache."

Zweites Merkmal sei die harmonische Struktur. Axelrod: "In der Musik von Samuel Barber, John Adams, ja sogar Charles Ives fallen die schlichten, offenen Akkorde auf. Man hört sie und denkt sofort, das klingt so amerikanisch. Für mich besteht zwischen den weiten, offenen Landschaften Amerikas und der typischen Klangsprache ein direkter Zusammenhang." Und die Musik seiner Heimat berge selbst in tragischsten Momenten immer einen Hoffnungsschimmer.

Ein US-Komponist ist im Wiener Programm nicht zu finden: John Axelrod. Er hat Gedichte, etwa von Walt Whitman, vertont und eine Kammeroper "How do I love thee" geschrieben. Seine Oper über Adam und Eva ist unvollendet, wird es möglicherweise bleiben. "Ich komponiere nicht mehr so oft wie früher", sagt er ungewöhnlich ernst. "Irgendwann muss man sich dann doch entscheiden. Ich interpretiere lieber die Musik von Matthias Pintscher, John Adams oder Kaija Saariaho, als dass ich versuche, mit ihnen als Komponist zu konkurrieren."

 


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