John Axelrod






[Back to press index]

27 Sep 2014
Von alten Magiern und fröhlichen Kriegstreibern
http://drehpunktkultur.at

Von alten Magiern und fröhlichen Kriegstreibern

 

KULTURVEREINIGUNG /

MOZARTEUMORCHESTER / AXELROD

25/09/14 Ohrenbetäubendes Kriegsgetöse dröhnt im Großen Festspielhaus.

 

Zartbesaitete suchen hektisch ihre Baldriantropfen. Und kaum bringen der Magier Uranus und der Mystiker Neptun etwas Entspannung in die Gehörgänge, bricht auch schon der Krieg der Sterne aus…

 

Von Stefan Reitbauer

 

„Der Mensch ist eine Sonne. Seine Sinne sind seine Planeten“, sagt der Dichter Novalis. Und der Musikschriftsteller Kurt Pahlen meint sinngemäß: Als Gott, der nach freiem Willen Sternbilder in der

Unendlichkeit des Weltalls schafft, erscheine Mozart uns gewöhnlichen Sterblichen im Finale seiner Symphonie Nr. 41 C-Dur, „Jupiter“ genannt. Beim Herbstauftakt der Kulturvereinigung im Großen Festspielhaus mit dem Mozarteumorchester steht Mozarts sonnenstrahlendes symphonisches Meisterwerk im Zentrum. Und „Die Planeten“ von Gustav Holst ziehen als einzelne Geschichten und emotionale Stimmungsbilder ihre Bahnen.

 

Zu Beginn führt John Axelrod, einer der letzten Schüler Leonard Bernsteins, das Mozarteumorchester Salzburg sicher durch die Symphonie Nr. 41. Ohne Umschweife, solide und homogen wird musiziert. Scheint im Allegro vivace des ersten Satzes noch ein wenig die Vorsicht zu regieren, entwickelt sich davon ausgehend ein energievoller Spannungsbogen bis in den vierten Satz. Molto, molto allegro endet dieser – und tatsächlich: John Axelrod lässt in einem Höllentempo die Streicher virtuos brillieren.

 

Die Bläser (speziell die Holzbläser) dürfen das im ersten Teil des Konzerts nicht. Ein unverhältnismäßiges

Übergewicht an Streichern erstickt so manchen kecken Farbklecks. Selbst das Blech, das sich wohl schon

Gehör verschaffen könnte, wurde offenbar zur Ruhe gemahnt. So bleibt ein klangschöner, aber

weichgespülter Mozart als trotz allem strahlende Ouvertüre zur folgenden Parade der Planeten.

Gustav Holst komponierte „Die Planeten“, Suite für großes Orchester, in den Jahren 1914 bis 1916. Einer

Fassung für zwei Klaviere folgte die in unseren Tagen weitaus bekanntere orchestrierte Version. Holst

zielt in seinen Klangbildern nicht auf das äußere Erscheinungsbild der Himmelskörper, sondern vielmehr

auf die charakterliche Ausdeutung ihrer göttlichen Namensgeber.

 

Das Mozarteumorchester bewegt sich lustvoll und sicher in diesem gewaltig anmutenden Klanggebilde.

Die martialischen Klänge des Mars gipfeln in ohrenbetäubendem ekstatischem Getöse. Die

Friedensbringerin Venus beruhigt mit versöhnlicheren Klängen, bevor Merkur und Jupiter die

Dezibelskala wieder ordentlich in die Höhe schrauben.

 

Doch bei allem Spektakel und Gebraus folgt John Axelrod einer klaren Interpretationsidee, reizt

dynamische Akzente aus, zeigt Kontraste auf und vermittelt dem Publikum sicht- und hörbar seine eigene

große Freude an der musikalischen Arbeit. Im letzten Satz der Suite, „Neptun, der Mystiker“ dürfen sich

die Salzburger Chorknaben & Chormädchen über ihren lange erwarteten Kurzauftritt freuen. Aus dem Off

erklingen die feinen Kinderstimmen. Recht sicher intonierend transportieren sie ihre mystische Botschaft.

Ein groß aufspielendes Mozarteumorchester mit dem legeren, aber sehr stilsicheren John Axelrod

beschließt den Abend mit Themen aus „Star Wars“ von John Williams. Das Publikum ist entzückt, die

Musiker zufrieden. Die Chorknaben spielen beim Abgang mit einem Laserschwert. Die Eindrücke des

Abends vermischen sich. Ohrwürmer von alten Magiern und fröhlichen Kriegstreibern bleiben von einem

spektakulären Konzert.


Permalink : http://www.johnaxelrod.com/press_detail.php?Von-alten-Magiern-und-frohlichen-Kriegstreibern-151


HOME | BIOGRAPHY | PRESS | CALENDAR | DISCOGRAPHY | VIDEOS | PHOTOS | NEWSLETTER | PROJECTS | ROSS | CONTACT

© 2010-2013 John Axelrod. All rights reserved.