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26 Aug 2011
Wenn Musikmachen zum Extremsport wird
Salzburger Nachrichten

Wenn Musikmachen zum Extremsport wird

25. August 2011

Von Ernst P. Strobl

 

Martin Grubinger spielte mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester einen Schlagwerk-Marathon im Großen Festspielhaus.

 

(SN). MG, das sind genau die richtigen Initialen. Martin Grubinger ist womöglich noch schneller als ein Maschinengewehr, wenn ihn ein Komponist dazu herausfordert. Der Salzburger Percussionswunderknabe wird weltweit herumgereicht, am Dienstag hatte er sein erstes „Solistenkonzert“ bei den Salzburger Festspielen. Der Titel täuscht ein wenig, trotz Riesenaufwand – und großem Orchester – ist er aber nicht falsch. Martin Grubinger ist eine Klasse für sich, in musikalischer Hinsicht, was die unfassbare Spieltechnik betrifft, und auch was die rein sportliche Seite betrifft. Vier Stunden lang beklopfte und beklimperte er alles, was man als Schlagwerk bezeichnen kann, ob gestimmte Instrumente wie Marimba oder Xylofon, ob Fell, Holz oder Metall. Alles war präzise geordnet und eingewoben innerhalb von sechs Konzertpartituren.

 

Jedes einzelne der Konzerte wäre schon eine große Leistung für jeden Virtuosen, aber alle: das war Extremsport, konditionell wie auch intellektuell, denn das meiste spielte Martin Grubinger auswendig. Das jüngste Konzert stammte übrigens vom Ältesten: Friedrich Cerha, Jahrgang 1926, hatte 2007/08 nicht nur für Grubinger sein Konzert für Schlagzeug und Orchester komponiert, sondern saß auch im Saal und konnte sich feiern lassen. Bei seinem dreisätzigen Werk geht er quasi wild zur Sache, starke Schläge geben die Zeit vor, Grubinger hatte Orchester und weitere sechs Schlagwerke zur Seite, die Streicher waren eher zu sehen als zu hören. Erst langsam beruhigt sich die Musik, mit Glocken, Marimba, Celesta werden geradezu ätherisch-schwebende Momente erzielt. Grubinger musste zwischen seinen Batterien wechseln, der zweite Satz strahlte fast meditative Ruhe aus, zuletzt trug Cerha wieder unbekümmert und temperamentvoll quasi „dick“ auf.

 

Auch die anderen Konzerte waren – bis auf „Prism Rhapsody“ der Japanerin Keiko Abe – aus dem 21. Jahrhundert, die Komponisten hatten zum Teil mit Martin Grubinger gearbeitet und die technischen Grenzen ungeniert ausgedehnt. Dazu zählt der wienerphilharmonische Pauker Bruno Hartl, der an keinem Effekt vorüberging und in einigen Phasen den Eindruck erweckte, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Percussionsgeräte einzubauen. Aber auch seine Kontrastklänge, vom Cellosolo bis zu einer Art Bläserchoral, waren einfallsreich komponiert. John Corigliano hatte sein „Zauberer“ benanntes Werk in drei Sätze mit sinnfälligen Titeln geteilt, „Wood“, „Metal“ und „Skin“ jagten Grubinger über das Podium, Entspannung bot ein schönes Streicheradagio, das die Marimba fragil wie eine Glasharmonika erweiterte. Die von Folklorismen geprägte Weltreise, die Avner Dorman mit „Frozen in Time“ vorlegte, begeisterte in circensisch-jazzigen Abschnitten mit Brass-Charme und Zitaten. In „Das war schön!“ von Rolf Wallin zauberte Grubinger mit Multi-Schlägeln flächige Marimbaklänge. Keiko Abe trieb den Berserker in atemberaubende Temporäusche.

 

Extra bewundert werden durfte das aus blutjungen Musikern zusammengesetzte Schleswig-Holstein Festival Orchester und der athletische, souverän strukturierende Dirigent John Axelrod, ein alter Mitstreiter von Grubinger. „Uns taugts so richtig“, sagte Grubinger bei einer Pause ins Publikum. Diesem auch. Standing Ovations. Um Mitternacht!

 

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© SN/SW


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