John Axelrod






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21 May 2014
Wunschkonzert mit Stil und Pfiff
drehpunktkultur.at

Wunschkonzert mit Stil und Pfiff

CAMERATA SALZBURG / AXELROD / GRUBINGER

19/05/14 Ans Mittelmeer lockte die Camerata Salzburg unter John Axelrod am Freitag (16.5.) ihr Publikum im Großen Festspielhaus. Mit von der Partie war Martin Grubinger mit seinem Team. Sehr publikumsfreundlich war das Programm. Aber warum nicht  einmal „Wunschkonzert“, wenn es qualitativ so überzeugend, so hochwertig herüberkommt.

Von Christiane Keckeis

Mit Manuel de Fallas Feuertanz „Danza ritual del fuego“ gestaltete die Camerata ein farbiges Entree in spanische Gefühlswelten: akzentuiert, mit dem Grundton der Gefahr, ein dynamisches Licht-Schattenspiel, in dem durchaus auch herbe Farben (wunderbare Bratschen!) einen Platz haben, facettiert und feurig.

Auch de Fallas Suite Nr. 1 aus „El sombrero de tres picos“ lässt Dirigent John Axelrod – dem Selbstverständnis der Camerata entsprechend – sich eher kammermusikalisch als symphonisch schwelgend entfalten. Das übt einen besonderen Reiz aus: Details gewinnen an Glanz, nichts ist plakativ, Feinheiten werden hörbar, die bei anderer Ästhetik in der Sattheit verschwinden, verdeckt werden. Und immer wieder erfreuen Auftritte von Solisten und Gruppen, beispielsweise ein vitaler Blechbläserauftritt am Beginn des ersten Satzes oder das Fagott, das mit sprechenden Farben humoristisch kommentiert.

Zwischen den beiden spanischen Bildern brachte Iannis Xenakis´ Werk „Okho“ für drei Schlagwerker archaisches Rhythmisieren mit fast beschwörendem Charakter: auch wenn der ursprüngliche Mathematiker Xennakis Musik grundsätzlich vonseiten der Naturwissenschaften angeht, ergibt sich die Spannung aus dem minutiös geplanten Ablauf im Kontrast zu der zutiefst geerdeten Ur-Wirkung: Es entsteht etwas rituell Behaftetes, eine Magie, die in dem achtsamen Miteinander von Martin Grubinger, Rainer Furthner und Leonhard Schmidinger von größter Energieentladung bis ins feinste Pianissimo führt und höchste Intensität entfaltet.

Peter Eötvös komponierte 2012/13 mit „Speaking Drums – Four poems for percussion solo and orchestra“ ein Werk, das auf die Bühnenpräsenz, Perfektion und unvoreingenommene Neugier von Martin Grubinger zugeschnitten ist. Schon bevor das Stück beginnt, entsteht eine ganz eigene Dramaturgie des Aufbaus der Schlagwerke, die ein Vorausnehmen der choreografischen Abläufe zu sein scheint. Alles, was an Schlagzeug aus der Sicht des Laien (der staunt und sich wundert) denkbar ist, wird da auf der Bühne vor dem Orchester arrangiert. Und dann geht der Spaß los.

Eötvös fordert den Solo-Schlagzeuger technisch, dramaturgisch, schauspielerisch. Für Grubinger kein Problem. Über weite Strecken bewundernswert ist auch das Zusammenspiel von Orchester und Solo. Axelrod und Grubinger stehen meist mit dem Rücken zueinander und vertrauen einander blind, auch wenn’s gelegentlich heikel wird.

Viel Bewegung auch sonst auf der Bühne: der Trompeter hechtet für ein beeindruckendes Solo, wie von Eötvös vorgeschrieben, an die Rampe, um mit dem Schlagwerk zu duettieren. Auch die sehr beschäftigten Schlagwerk-Kollegen müssen gelegentlich ran an die Rampe. Und der dritte Satz beginnt überhaupt mit einem Lauf vorbei an immer größer werdenden Becken entlang - quer über dreißig Meter Festspielhausbühne. Da kommt selbst Grubinger ins Schwitzen. Wie auch immer, das Spektakel erfreut, erstaunt und macht Spaß.

Nach der Pause wird’s dann für das Publikum höchst angenehm. Eine „Mittelmeer-Kreuzfahrt“ mit der Barca Camerata wartet in Form der von Wolf Kerschek arrangierten „Suite Mediteranée“, die viel Bekanntes von Bizet bis Respighi verbindet. Ravels „Bolero“ fungiert als wiederkehrendes Thema. Genau genommen Wunschkonzert. Da könnte man auch ein bisschen arrogant die Nase rümpfen. Aber das Arrangement ist gut macht: Es lässt sowohl dem Orchester als auch der Schlagwerkgruppe genügend Raum sich auf hohem Niveau zu entfalten, ist abwechslungsreich, vielseitig und dramaturgisch stimmig. Und das Musizieren macht sichtbar Freude, so viel Lächeln im Orchester – und die phänomenalen Schlagwerker verbreiten sowieso die pure Lust am Tun. Warum also nicht Wunschkonzert, wenn es qualitativ so überzeugend, so hochwertig herüberkommt.

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